„Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“ – Michaela Karl

Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen, Michaela Karl

ICH WÜRDE SO ETWAS NIE OHNE LIPPENSTIFT LESEN – Michaela Karl
Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: 1. April 2019
352 Seiten, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Preis: € 22,00
eBook: € 16,99
ISBN: 978-3-455-50414-9

Inhalt
New York City, 1955. High Heels klackern auf der 5th Avenue. Im Kleinen Schwarzen, mit Perlenkette und Beehive ist Maeve Brennan auf dem Weg in den New Yorker. Sie ist ein Star ihrer Zeit, gefeierte Autorin und New Yorks Mode-Ikone. Angeblich dient sie sogar als Vorbild für die weltberühmte Figur der Holly Golightly in Truman Capotes Breakfast at Tiffany’s. Ihr Leben ist perfekt. Doch ihr Lebensmotto lautet nicht umsonst: „Bis zum Chaos ist es nur ein kleiner Schritt …“ Irland und ihre revolutionären Eltern hat Maeve Brennan hinter sich gelassen, ebenso wie eine turbulente Affäre mit Charles Addams, dem Kopf hinter der Addams Family. Die Stelle als Moderedakteurin bei Harper’s Bazaar in New York scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein, doch die exzentrische und messerscharf schreibende junge Frau steigt noch höher auf: zur landesweit bekannten Autorin des legendären New Yorkers. Alkohol und der Cary Grant der Journalistenszene locken sie ebenso wie das Verlangen nach einem selbstbestimmten Leben. Michaela Karl, bekannt für ihre detailreichen und ungewöhnlichen Frauenbiographien, erzählt eindrucksvoll von einer schillernden Persönlichkeit auf dem schmalen Grad zwischen Glamour und Wahnsinn.

Rezension
Mitte der 50er Jahre, Emanzipation gilt noch als Unwort und mittendrin Maeve Brennan, eine ungewöhnlich selbstbewußte junge Frau, die sich konsequent mehr oder weniger bewußt über sämtliche gängigen Regeln hinwegsetzt. Nach ihrer Flucht aus dem heimatlichen Irland, das ihr stets zu viel Fesseln angelegt hat, in die aufstrebende Metropole New York, realisiert sie dort ihren ganz persönlichen Lebensstil. Frei von Konventionen, unabhängig im Denken, getrieben vom unbändigen Willen dem kleinkarierten Elternhaus zu entfliehen und ein eigenständiges Leben zu führen, verwirklicht sie frei und stets auf Unabhängigkeit bedacht dort ihren Lebenstraum. Als Journalistin und Autorin, zeichnet sie mit ihren Artikeln und Kolumnen ein sehr lebendiges Bild New Yorks, das sich in einer ganz besonderen Umbruchphase befindet. Ihre Beobachtungsgabe und ihre scharfzüngigen Formulierungen sind einzigartig. Hochgelobt auf der einen Seite, gefürchtet auf der anderen, durchlebt sie ein ständiges auf und ab und so ist es kein Wunder, dass Maeve im grundegenommen nie zur Ruhe kommt und ihr ganzes Leben bis zum tragischen Ende von Rastlosigkeit bestimmt wird.

Fazit
Eine großartige Biographie über eine faszinierende Frau, die sich fesselnd und informativ zugleich, als eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte erweist.