„Der zerrissene Brief“ – Hanns Zischler

Der zerissene Brief, Hanns Zischler

DER ZERRISSENE BRIEF – Hanns Zischler
Verlag: Galiani-Berlin
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2020
272 Seiten, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Preis: € 20,00
eBook: € 16,99
ISBN: 978-3-869-71207-9

Inhalt
War es Fernweh, war es Liebesleichtsinn, der die 17jährige Pauline 1899 aus ihrem fränkischen Dorf ins ferne New York ausbüxen ließ? Was hat damals den welterfahrenen Max dazu getrieben, ihr die enorme Summe von 2000 Goldmark zu geben und sie für gut zwei Jahre ganz allein in so weite Ferne zu schicken? Woher nahm er die Gewissheit, dass Pauline nach ihrer Rückkehr genau die richtige Gefährtin für seine ausgedehnten Reisen sein würde, die beide dann tatsächlich um die halbe Welt unternahmen – durchs Innere Asiens bis zur Halbinsel Kamtschatka?
Sechzig Jahre später wird Pauline von der liebesenttäuschten jungen Elsa besucht, die sie in der Nachkriegszeit als Kind ‚per Brief adoptiert‘ hat. Gemeinsam durchwandern die beiden Frauen im Gespräch das tiefe Labyrinth von Paulines bis dahin verschollenen Lebensaugenblicken. Sie weben die bunten Fäden einer verloren geglaubten Zeit mit Hilfe von Briefen, Fotos, Notizen und Gedichten zu einem Stoff, dessen Muster erst nach und nach erkennbar wird.

Rezension
Pauline und Elsa, zwei Frauen die mehr als eine ganze Generation trennt, haben mit ihrem jahrelang gepflegten Briefkontakt eine außergewöhnliche Beziehung aufgebaut. Als Elsa Pauline wenige Wochen vor deren Tod besucht, reflektieren sie in langen Gesprächen das Leben Paulines. Dominiert von ihrem wesentlich älteren Ehemann Max, ist es Pauline nie wirklich vergönnt gewesen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Trotzdem trauert sie auch heute noch, Jahre nach seinem Tod, um den großen Verlust, den sie nie wirklich verwunden hat. Erst als Elsa sich ebenfalls öffnet und Pauline von einer glücklosen Affäre, die gerade ihr Ende gefunden hat berichtet, beginnt sich der Kreis zu schließen. Nach und nach erwächst aus den bruchstückhaften Erinnerungen beider Frauen ein Gesamtbild, das für Elsa vollkommen neue Perspektiven eröffnet.

Fazit
Eine kulturhistorisch interessante Zeitreise, in der Vergangenheit und Gegenwart zu einem generationsübergreifenden Gesamtbild verschmelzen.